AK Landwirtschaft – Klausurtagung in Springe

Von Waldbildern und Wisenten

Ich habe mich sehr gefreut, meine Kolleginnen und Kollegen im Arbeitskreis für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz der SPD-Landtagsfraktion zur Klausur im historischen Jagdschloss Springe zu begrüßen.

Dort, Sitz der Niedersächsischen Landesforsten, starteten wir unsere Tagung mit dem Thema „Wald“. Dr. Klaus Merker, Präsident der Niedersächsischen Landesforsten, unterrichtete über „Forstwirtschaft im Klimawandel“.

Die Trockenheit in Folge bereits im dritten Jahr führt in den Wäldern zu einem dramatischen Befall mit Borkenkäfern. Besonders betroffen sind Fichtenbestände in Harz, Solling und Süd-Niedersachsen. Waldschutz sei jetzt die große personelle und finanzielle Herausforderung für die Landesforsten, denn es gelte befallene Bäume vor dem Ausfliegen der Borkenkäfer zu entnehmen, da ein befallener Baum 25 weitere Bäume anstecken würde.

Wie Gruppen befallener Fichten gefällt werden, konnten wir vor Ort beim Einsatz des „Harvester“ in der Praxis verfolgen. Christian Boele-Keimer, Leiter des Forstamtes Saupark, erläuterte in diesem „Waldbild“ auch, dass die gegenwärtige Situation durch das erhöhte Angebot an Fichtenholz und Corona bedingte Exportbeschränkungen am Markt zu einem Preiseinbruch geführt haben.

Im zweiten Waldbild erklärte Boele-Keimer, wie eine Aufforstung nach dem „LÖWE“ Grundsatz der „Langfristigen Ökologischen Waldentwicklung“ seit bald 30 Jahren in Niedersachsen umgesetzt werden kann. „Naturverjüngung“ ist hier ein Prinzip, wonach der Wald sich mit eigenen Kräften ohne gezielte Maßnahmen der Forstwirtschaft regeneriert.

Parallel wird aber auch in anderen Bereichen angepflanzt mit dem Ziel Mischwald aufzubauen. Monokulturen werden so vermieden, um natürlichen Wald und Artenvielhalt zu entwickeln.

Waldbild 3 machte die drastischen Folgen des Klimawandels deutlich, stattliche Buchenverteranen verdursten aufgrund der anhaltenden Trockenheit und sterben ab.

Nach den Waldbildern konnten wir Station bei den Wisenten machen. Der Wisent ist ein letzter Vertreter der Wildrindarten des europäischen Kontinents. Er ist zugleich auch das größte Tier Europas. Vom Aussterben bedroht, entstand 1928 das Wisentgehege in Springe, um mit der notwendigen Erhaltungszucht zu beginnen.

Mittlerweile, so erläuterte uns der Leiter Thomas Hennig, beherbergt der Park 100 Wildarten Europas, neben den Wisenten, Bären, Luchse, Wildkatzen, zahlreiche Vogelarten und viele andere zum Teil vom Aussterben bedrohte Wildtierarten. Wolfsprojekt und Falkenhof ergänzen die Bandbreite.

Das Wisentgehege, das auch zu den Niedersächsischen Landesforsten gehört, ist Teil verschiedener Erhaltungsprogramme auf europäischer Ebene. So startete 2010 das EBCC (European Bison Conservation Center) seine Arbeit europaweit aufgenommen in dem das Wisentgehege als deutsches Regionalbüro wirkt. Dabei berät es Halter und Züchtern und vermittelt zwischen ihnen. Auch mit der Einrichtung einer weiteren Zuchtgruppe seit 2012 trägt das Wisentgehege wesentlich und mit großem Engagement.

Und, so Thomas Hennig, es wird kontinuierlich modernisiert um bestehende Gehege attraktiver für Wildtiere und für die 120 000- 180 000 jährlichen Besucher/innen zu gestalten. Ein Förderverein unterstützt dabei ideell aber vor allem finanziell.

Gleichzeitig ist das Wisentgehege auch „Grünes Klassenzimmer, denn als Regionales Umweltbildungszentrum (RUZ) und Außerschulischer Lernort ist es als Waldpädagogikzentrum ein besonderes Angebot für Schulklassen.

Wie Nachhaltigkeit und die Bedeutung von Artenvielfalt Kindern und Jugendlichen nahegebracht wird, erläuterte uns die pädagogische Leiterin Cornelia Tripke. Natur erleben, Lernen mit allen Sinnen, entdecken draußen und drinnen im Seminarraum, aktives Miteinander statt passives Konsumieren im Vorbeigehen sind dabei die prägenden Ansätze.

Dieser Start in unsere Klausurtagung brachte vertiefendes Wissen über die Arbeit und die Aufgaben unserer Landesforsten, zeigte aber auch die Notwendigkeit, dass wir weiterhin kontinuierlich und gezielt den Herausforderungen des Klimawandels begegnen müssen.

Dem großen fachlichen und praktischem Engagement insgesamt in der landeseigenen Fortwirtschaft gebührt mein ausdrücklicher Dank. Und den Akteuren hier im Forstamt Saupark und im Wisentgehege danke ich an dieser Stelle im Namen meines Arbeitskreis für die beeindruckenden und praxisnahen Einblicke und die breiten Informationen in der Arbeit für Nachhaltigkeit und Artenvielfalt.

Ein Besuch im historischen Jagdschloss und im Wisentgehege kann ich nur wärmstens empfehlen.

Info gibt es unter https://www.wisentgehege-springe.de/Wer mehr wissen möchte über unsere Niedersächsische Landesforsten findet umfangreiches Material unter https://www.landesforsten.de